Als ich selbst vor Jahren begann, mir eine eigene Ansichtskartensammlung zuzulegen, war der Anlass hierfür eine schöne, neutrale Ansichtskarte aus einem Urlaubsort. Dann folgte eine Kleinanzeige in einer überregionalen Wochenzeitschrift, und eines Tages schenkte mir im Rahmen meiner geknüpften Kontakte eine ältere Dame ihre ,Jugendsammlung" mit mehreren hundert, heute äusserst wertvollen Ansichten aus der Zeit um den 1. Weltkrieg. Von anderer Seite erhielt ich zufällig einen Satz alter Ansichtskarten, die von dem Bayerischen Stückeschreiber Ludwig Thoma stammten. Diesen Satz konnte ich damals an einen Ludwig Thoma- Fan für 20 € das Stück verkaufen. Heute besitze ich eine Ansichtskartensammlung von einigen tausend Stück aus über 100 Ländern der Erde.
Früher konnte man noch für ein paar Pfennige alte Ansichtskarten erwerben, heute verlangen Antiquitätenhändler, Buchanitquare oder Flohmarktanbieter mindestens eine Mark pro Karte, je nach Motiv und Alter. Vor einiger Zeit bat das III. Programm des SDR seine Zuschauer, doch einmal alte Ansichtskarten mit Motiven aus dem Sendegebiet zu schicken. Warum wohl?
Weil die Sachen rar werden!
In Hamburg gibt es - mittlerweile schon seit einigen Jahren - Auktionen, auf denen alte Ansichtskarten zu tollen Preisen meistbietend versteigert werden. Am begehrtesten sind natürlich nicht solche Ansichten, die es in ihrer Art auch heute noch gibt, sondern Bilder von längst verschwundenen Bauwerken, aufsehenerregenden Ereignissen, Kriegsansichten, Kitschkarten und Nostalgie- Motive. Wenn Sie sich für die Postkarten- Auktionen interessieren, sollten Sie einmal einen Auktionskatalog und die Versteigerungsbedingungen der Firma Bernhard, Postfach 73 03 60, 22123 Hamburg, schicken lassen.
Noch wurde das Gebiet des Postkartensammelns als Geldanlage nicht in seiner ganzen Tragweite erkannt, noch kann man hier und da wertvolle Stücke verhältnismässig preiswert erwerben, doch das kann sich sehr schnell ändern, und die Preise beginnen dann zu steigen. Drucke aus der Kaiserzeit kosteten damals zwischen 5 und 10 Pfennige, heute werden sie mit 10 bis 20 € gehandelt. 1977 wurde im Kölner Gürzenich (Rathaussaal) eine aus Seide gewebte Postkarte mit dem Portrait Hitlers vom Gautag 1938 in Essen für 250 € verkauft. Es lohnt sich also, nach älteren und besonderen Stücken Ausschau zu halten.


